Kommt heute um 16:25 auf 3sat, “Die Judenschublade”, und ich mag den Text:

“Ich bin Jüdin, und wegen mir soll es jeder wissen, aber wenn es jemand nicht weiß, ist es auch egal. Ich bin Jüdin, aber ich heiße Sharons Politik nicht gut, mein Vater trägt keinen schwarzen Kaftan und ich mache meine Freunde, die so alt sind wie ich, nicht für den Holocaust verantwortlich. Stellt mir Fragen, aber hört nicht auf, über Michel Friedmann zu lästern, nur weil ich ins Zimmer komme. Man wird so oft in eine Schublade gesteckt. Die Judenschublade. Es gibt so viele junge Juden in Deutschland, die passen da nicht alle rein. Sie sind so anders als ich. Sie sind wie Ihr: unterschiedlich. Manche wählen SPD, andere FDP. Manche studieren Informatik, andere Philosophie. Manche trinken Kaffee, andere Bier. Manche gehen regelmäßig in die Synagoge, andere sind noch nie in einer gewesen. Manche sind junge Juden, aber andere würden sagen, sie sind junge Menschen, die zufällig noch jüdisch sind. Schubladen passen da nicht.” Mit diesen Worten der 24-jährigen Schriftstellerin Lena Gorelik beginnt “Die Judenschublade”, ein Dokumentarfilm über junge Juden in Deutschland. Die Jugendlichen äußern im Film ungeschminkt ihre Meinung und nehmen mit auf eine Reise in das vielfältige Leben junger Juden in Deutschland. Ein Leben, das anders ist, als die meisten es erwarten.

Ich habe — familiär betrachtet — auch jüdische Wurzeln, will heißen: Ich bin offiziell — also nach jüdischen Kriterien — keiner. Mein Vater hat mich mit 8 Jahren vor die religiöse Wahl gestellt. Und weil das schnell Geschenke gab, habe ich mich katholisch taufen lassen und ein Jahr später die Kommunion mitgemacht.

Sarrazin würde heute behaupten, ich habe das “jüdische Gen” in mir. Ich sehe das nicht. Auch dann nicht, wenn ich feststelle, daß nahezu alle meiner Vorfahren Kaufleute, Musiker oder Rechtsanwälte waren. Zur Info: Ich bin heute weder religiös noch sehr jüdisch. Die Erziehung meines Vaters war ziemlich jüdisch, nämlich streng und zu fast 100% kompromisslos. Er war es, der mich als Musiker nie wahrgenommen hat und das auch (sozusagen) vermeiden wollte. Ich sollte Kaufmann werden (bin ich ja auch, hab das aber nach seinem Tod hingeschmissen). Ich bin zwar ein rationaler Typ, aber ein schlechter Kaufmann, da zuviel Künstler.

Ich werde den Tag und das dazugehörige Gefühl nie vergessen, als ich den ersten Auftritt als Schlagzeuger hatte, mit 16, vor 2000 Leuten, als er in der ersten Reihe saß und mich nicht einmal anschaute. Nach den Stücken standen alle auf und applaudierten … er blieb sitzen und schaute auf den Boden.

Nochmal zurück zu “den Juden”. Ich mag Michel Friedmann nicht und finde israelische Politik beschämend. Das Judentum als Religion finde ich albern und die Thora ebenso. Die Kabbala finde ich recht spannend, aber das war es dann auch. Ich fühle mich nicht beleidigt, wenn jemand etwas kritisches über Juden oder Israel sagt, jedoch, wenn jemand, den ich an sich schätze, sich mir gegenüber respektlos verhält. Das ist eine persönliche Sache, aber keine ethnische. Wenn jemand mich einen “Nazi” nennt, weil ich eine Glatze (meistens) habe, dann lache ich mir einen. Was leider manchmal vorkommt.

Wer die Zeit hat, sollte den Film da oben sehen. Ist bestimmt gut und aufschlussreich.

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