Arschlöcher

Es geht um das hier:

Danke für das ‘Arschloch’, lieber Leser! | Basic Thinking Blog

Nun.

Ich habe mich ja im Prinzip weitgehend aus der Bloggerei zurückgezogen, weg von vierstelligen daily visitors hin zu ein bißchen Nebenbeigeblogge. Mit Grund: Undankbarer Zeitaufwand. Mal völlig emotionslos dargestellt. Ich bin Musiker, der zwar was zu sagen hat, dies aber nicht die Basis seines Schaffens ist. Jedenfalls nicht mit Worten, eher mit musikalischen Ergüssen.

Ich schrob das schon in den Kommentaren bei Basic Thinking:

Ich verstehe die Verärgerung gut. Mangelnde Wertschätzung, fehlende Anerkennung etc.

Aber ich habe in meinem Leben etwas Wichtiges gelernt: Hass begegnet man am besten mit … absoluter Ignoranz. Keine Reaktion. Nichts.

Alles andere ist: Füttern.

Natürlich kann man auf Arschlöcher verzichten. Sollte man sogar, ist ja auch nicht gesund. Energie abziehen ist das Stichwort. Nicht zulassen, das sie von anderer Seite dir abgezogen wird. Ich habe damit einschlägige Erfahrungen, glaubt mir. Parasiten leben von ihrem Wirt, nicht umgekehrt.

Integration 2.0

Ein Freund von mir ist ein Mensch mit sogenanntem “Migrationshintergrund”. Ich habe übrigens einen Einheimischenhintergrund, dies nur zur Gegenüberstellung der Begrifflichkeiten. Beide Worte sind so dämlich wie überflüssig.

Nun, jedenfalls ist mein Freund gebürtiger Iraker. Als Anfang der Neiunziger in seiner Heimat der Baum anfing zu brennen — auch ein paar Bäume mehr — dachte er sich, es sei gar nicht mal so unklug, das Land zu verlassen. Wohin? Zunächst mal zu Fuß über die Grenze, mal sehen wo man so landet. Dieser Trip dauerte einige Jahre und ging durch viele Länder, auch europäische, bis er schließlich irgendwo in Deutschland landete. In München lernte er seine heutige Frau kennen und lieben, die ebenfalls Irakerin ist. Das ergab sich so, weil er sie auf einer irakischen Feierlichkeit traf, es hätte ebenso gut eine deutsche Frau (etc.) sein können. Mein Freund ist nämlich bekennender Nichtbekennender, was Religion angeht. Er trinkt auch gerne mal einen und macht auch sonst nahezu alles, was man als Muslime nicht macht (machen soll).

Nachdem er ein paar Jahre LKWs im Fernverkehr spazieren gefahren und dabei seine Vorliebe für Rammstein entdeckt hat, betreibt er nun ein Ladengeschäft nebst Internetcafé in Dortmund. Er hat deutsche sowie arabisch herkünftliche Mitarbeiter. Seine Gattin turnt kopftuchlos durch die Gegend und ist eine freundliche, nette, moderne Frau. Abends nach der Arbeit gönnt er sich 2 bis 3 Flaschen Bier, und pennt vor dem Fernseher ein, wie jeder andere Deutsche.

Mein irakischer Freund ist ein sehr entspannter, freundlicher, bescheidener junger Mann, der — wenn man ihn kennenlernt — irgendwie “angekommen” rüberkommt. Ich rede sehr gern mit ihm und lerne dabei ständig etwas Neues.

Was will ich sagen? Ich weiss es nicht genau. Vielleicht weiss ich es auch doch genau, fürchte aber, meine Gedanken dazu der Öffentlichkeit nicht präsentieren zu können, weil ich mich auch einfacher unbeliebt machen könnte.

Ich biete an dieser Stelle einfach mal Raum zu Spekulationen.