Darüber musste ich jetzt wieder nachdenken, nachdem es ein doch recht heftiges Beben in Norditalien gab. Betreiber (und Politik) verschweigen ja immer ganz gerne das Thema Erdbeben in Mitteleuropa. So als gäbe es da gar kein Risiko, wir leben ja nicht in einem Erdbebengebiet. Das das — historisch/wissenschaftlich belegt — falsch ist, weiß zumindest jeder Geologe/Vulkanologe.

Ich will das mal laienhaft als Hobby-Klugscheißer, und für Laien, greifbar machen…

Das Beben in Italien hatte sein Epizentrum, also den Mittelpunkt des Geschehens, bei Ferrara. Das ist hier. Hier nahegelegene Kernkraftwerke, inklusive Entfernungsangabe:

  • Caorso, 150 km
  • Trino, 290 km

Die gute Nachricht: sind alle deaktiviert. Es gibt keine aktiven AKW mehr in Italien. Aber… 150 oder 290 km ist für ein Erdbeben direkt um die Ecke. Sowas hätte unter ungünstigsten Umständen ein sehr ernsthaftes Problem bedeuten können. Und es ist nicht so, als hätte es in der Region nicht schon stärkere Beben gegeben. Den Rest könnt ihr euch jetzt selbst zusammenreimen. Natürlich wurden die AKW in Italien nicht aus Erdbebengründen abgestellt. Das ist in Italien nicht anders als im Rest der Welt. Erst geht es um die Wirtschaftlichkeit, DANN erst um die Risiken.

Das Kernkraftwerk ISAR (bei München) ist keine 600 km entfernt. Und das ist nicht stillgelegt sondern in Betrieb. Das jetzige Beben in Italien war noch sehr deutlich in einer Entfernung von über 300 km zu spüren. Ich denke, ihr wisst, was ich damit sagen will.

Ich komme auf den Punkt. Deutschland ist alles andere als erdbebenfrei, historisch betrachtet. Die Tatsache, das wir vielleicht in unserer Lebenszeit kein größeres Beben erlebt haben, heißt nicht, das es keine gab. Hier eine grafische Darstellung aller relevanten Beben seit Aufzeichnung:

 

Und hier eine grafische Darstellung aller Kernkraftwerke in Deutschland (aktiv und inaktiv):

 

Selbst ein Laie erkennt: unsere Atommeiler liegen teilweise MITTEN in erdbebengefährdeten Gebieten. Kein einziges AKW in Deutschland gilt als erdbebensicher (das wird es auch nie geben, weil man KEIN AKW erdbebensicher bauen kann, dazu sind diese Naturgewalten viel zu unkalkulierbar, Fukushima hat der Welt gezeigt, wie sowas passieren kann). Wir hatten in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen 4 Erdbeben mit einer Magnitude (Stärke) von über 6,0. Das stärkste davon lag bei 6,4, und das in Basel — also so gut wie Deutschland — sogar bei 6,9. Alle 4 Beben (plus dem 5. in Basel) hatten VERHEERENDE Wirkungen.

Alle diese Beben sind, geschichtlich betrachtet, überhaupt nicht lange her und können sich jederzeit auch in stärkerer Form wiederholen. Das muss man selbst als Optimist erkennen. Und dabei habe ich noch gar nicht erwähnt, das die Vulkaneifel auch immer noch aktiv ist, auch wenn dieser Umstand nicht ausreichend gut erforscht ist, um dazu gesicherte Erkenntnisse zu verkünden. Aber rein theoretisch könnte es in der Vulkaneifel jederzeit Magmaeruptionen und damit verbundene Beben geben.

Ich selbst hatte mal ein sehr interessantes Gespräch mit einem Professor für Geologie, der in der Vulkaneifel lebt und arbeitet. Der hat mich intensiv über dieses Thema aufgeklärt. Das aber nur als Info am Rande, ich will das jetzt nicht ausbreiten. Ich selbst habe aber mit eigenen Augen vulkanische Aktivität in der Eifel beobachten können.

Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, auch nur ein einziges Atomkraftwerk zu betreiben. KEINEN.

7 Comments

  1. Das sind alles sehr nett zusammengetragene Einzelinformationen. Die entscheidende Frage ist aber, welche Schäden die Erdbeben in den fraglichen Regionen tatsächlich anrichten. Dazu sei bemerkt, dass KKW ja nicht in Pappkartons gesteckt werden, die beim leisesten Windhauch davonfliegen. Interne und externe Risiken einer Technologie sind Herausforderungen, aber nicht notwendig vernünftige Ausschließungsgründe. Es sprach kein vernünftiger Grund dafür, sich von einem Hügel mit Behelfskonstruktionen, die entfernt an Flügel erinnerten, zu stürzen. Unter anderen Otto Lilienthal hat es aber doch getan. Tatsächlich hat er das mit dem Leben bezahlt, aber der Punkt ist folgender: Es hat sich gelohnt. Auch die ersten Automobile waren kreuzgefährliche Kisten; niemand, der bei Verstande ist, hätte sich daraufsetzen dürfen. Benz und Konsorten haben es trotzdem getan.
    Darüber hinaus finde ich den Text schon arg suggestiv. Was sollen diese Andeutungen? Es werden gerade so viele Informationen gegeben, dass das “allgemeine” Wissen angesprochen wird und sich die beabsichtigte Interpretation (“Alles ganz gefährlich!”) geradezu aufdrängt. Was z. B. heißt “deutlich zu spüren”? Das könnte -0,001 im Vergleich zu Italien oder auch den gerade noch nachweisbaren Grenzwert der Aufzeichnung bedeuten. Da fehlen mir schlicht belastbare Aussagen. Das mit den vernünftigen Gründen für KKW sehen im Übrigen etliche andere Nationen anders.
    Um es deutlich zu sagen: no offence, aber der Text bleibt trotz der Grafiken nur im Vagen. Es werden m. E. keine überprüfbaren Zusammenhänge geliefert. Genau das hätte das Thema aber verdient.

  2. Interne und externe Risiken einer Technologie sind Herausforderungen, aber nicht notwendig vernünftige Ausschließungsgründe.

    Entschuldige bitte (auch “no offence”), aber was du da sagst, ist nicht zu Ende gedachter Bullshit. Ich weiß gar nicht genau, wo ich anfangen soll, diesen Quatsch auseinander zu nehmen. Vielleicht mal hier: ein nicht kalkulierbares Risiko, wie Radioaktivität eines ist, ist quasi die DEFINITION eines Ausschließungsgrundes, und zwar zwingend notwendig.

    Es sprach kein vernünftiger Grund dafür, sich von einem Hügel mit Behelfskonstruktionen, die entfernt an Flügel erinnerten, zu stürzen. Unter anderen Otto Lilienthal hat es aber doch getan. Tatsächlich hat er das mit dem Leben bezahlt, aber der Punkt ist folgender: Es hat sich gelohnt.

    Lilienthal hat nur SEIN Leben riskiert, nicht das von Millionen. Was ein einzelner für sich selbst entscheidet, sei Sache des Einzelnen.

    Zum “Text im Vagen”: habe ich an irgendeiner Stelle den Anspruch erhoben, dies sei eine wissenschaftliche Einschätzung, oder gar Abhandlung, meinerseits? Ich bin kein Wissenschaftler sondern Laie, worauf ich deutlich hinwies. Ich wies ebenfalls darauf hin, das selbst ich als Laie das Problem zu verstehen meine.

    Wenn du nicht dieser Ansicht bist, dann sei dir diese Sicht gestattet. Meine aber auch.

  3. Radioaktivität ist nicht unkalkulierbar. Man kann sie messen, es gibt Möglichkeiten, sich vor ihr zu schützen, ihre Folgen sind auch sehr gut erforscht. Es ist kein pures Glück, dass die Zahl der tatsächlichen Katastrophen durch oder in KKW im Vergleich zur potentiellen Gefahr recht gering ist. Das basiert zu einem gehörigen Teil auf Ingenieurskunst und zumeist ordentlicher Arbeit der Betreiber. Insofern halte ich es ganz und gar nicht für Bullshit oder Quatsch. Radioaktivität ist in ausreichender Konzentration gefährlich, aber es gibt Mittel und Wege, die Gesundheitsgefährdung so weit zu reduzieren, dass ihr Einsatz eine von mehreren akzeptablen Alternativen sein kann.
    Wahrscheinlich habe ich mich etwas unverständlich ausgedrückt. Was ich sagen wollte, ist, dass mir nicht ganz klar ist, was der Text will. Wenn er sachlich informieren will, dann hat er ein Problem: nämlich, dass er deutliche Anzeichen von Angstkommunikation aufweist. Sehr gut passt dann Niklas Luhmann: “Angstkommunikation ist immer authentische Kommunikation, da man sich selbst bescheinigen kann, Angst zu haben, ohne dass andere das widerlegen können. Das alles macht Angst attraktiv für die öffentliche Kommunikation, denn sie widersteht jeder Kritik der reinen Vernunft. Sie ist das Prinzip, das nicht versagt, wenn alle anderen Prinzipien versagen. Wer Angst hat, ist moralisch im Recht, besonders, wenn er für andere Angst hat. Angst gewinnt so in der Kommunikation eine moralische Existenz.” Auch Helmut Schoek zeigt, dass Soziologen manchmal doch zu etwas taugen, wenn er meint: „Das größte Risiko unserer Zeit liegt in der Angst vor dem Risiko.“ Will der Text jedoch genau das – Angst kommunizieren -, dann ist das in Ordnung für mich.
    Eingedenk der energetischen Alternativen halte ich es nach wie vor eher für unvernünftig, die Kernkraft zu ignorieren, nur weil sie etwas schwieriger zu meistern ist als eine Windmühle. Rein theoretisch könnte die Erde nahezu jederzeit ein nicht entdeckter Asteroid treffen. Trotzdem machen wir den Laden nicht dicht. Die bloße Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Ereignisses ist eben kein hinreichender Grund für die Annahme, dass es auch eintreten wird.

  4. Wir gehen in grundsätzlichen Ansichten komplett auseinander. Ich halte es deshalb für müßig, das auszudiskutieren.

  5. Bzw. es ist auch von meiner Seite mit dieser Feststellung ausdiskutiert.

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