Ist ja nicht so als hätte ich es nicht geahnt… ich bitte um Verzeihung für den Umstand, das ich absolut keine Zeit hatte, die Aufnahmewoche bei den Singvögeln tatsächlich täglich zu dokumentieren. Jeder Tag war extrem voll, wir haben faktisch nichts anderes gemacht, als gearbeitet, gegessen und geschlafen. Morgens nach dem Wachwerden ab ins Studio, abends tot ins Bett.

Aber ich fasse mal ein wenig zusammen (so gut ich kann):

Am Ankunftstag ging nicht viel. Nach einer einigermaßen angenehmen Anreise – der deutsche Mittelrhein ist sowas von schön – kam ich relativ entspannt an. Wir schafften erst mal meinen Krempel ins Studio und bauten die Technik halbwegs auf (um das Ganze am nächsten Morgen nochmal etwas umzukonfigurieren, natürlich). Wir haben dann erstmal Svens Schlagzeug völlig neu mikrofoniert. Heraus kam ein organisiertes Gewusel mit 1 Milliarde Kabeln, 10 Mikrofonen und ein maximal möglich differenzierter Mix eines Schlagzeuges. Yay!

Dasselbe taten wir dann, wenn auch wesentlich reduzierter, mit den anderen Instrumenten. Mit anderen Worten: neue Methoden, die von Beginn an überzeugten und funktionierten. Mein Ziel war höchstmögliche Transparenz im Mix, und höchstmögliche Aufnahmequalität. Ich habe später jede Spur sauber in 24 bit / 48 khz im Overdubbing-Verfahren aufgenommen. Hierfür hat meist Karan das Hauptthema des Songs mit der Gitarre vorgegeben, als Referenz für die anderen. Manchmal auch Duke, je nach Song. Sven mit seinen Drums habe ich immer oben drauf gepackt, nachdem wir bereits Bassläufe und eine gewisse Rhythmik hatten, die es Sven einfacher gemacht haben zu grooven. Vocals entweder dazwischen oder zum Schluß. Kleine Teaserbemerkung: Ich bin davon überzeugt, das ihr Karan SO noch nie gehört habt (sofern ihr sie denn von vorher kennt).

Wir wurden von Stunde zu Stunde routinierter, und unser Workflow verbesserte sich mit jeder Aufnahme. So konnten wir bis zum Ende auch unser Arbeitstempo steigern, was auch gut umgekehrt vorstellbar gewesen wäre, aus Ermüdungsgründen. Das Gegenteil war der Fall. Wir zogen nach hinten raus immer mehr an und wurden immer besser. So haben wir in effektiv 5 Tagen (erster Tag Aufbau, am letzten Tag von 7 hatten wir bereits alles drin) 9 Songs aufgenommen, 3 davon auf der Zielgeraden an einem Tag, den Tag davor 2. Und zwar ganz entspannt aus der Hüfte geschossen. Zugegeben, an diesen Tagen war ich dann auch abends ziemlich durch, was aber kein Problem war.

Meine Vermutungen haben sich insgesamt bestätigt. Ich konnte – das habe ich so wahrgenommen – viel mehr aus diesen Musikern mit einer lodernden, inneren Flamme und ihren Songs herausholen, als sie sich selbst zugetraut haben, und wir konnten zusammen ein vorläufiges Ergebnis produzieren, welches angesichts der begrenzten und größtenteils improvisierten Mitteln, richtig amtlich ist. So amtlich, daß bei der Abhöre von Aufnahmen auch Tränen flossen.

Ich glaube, das war eine schöne Erfahrung für alle Beteiligten, und ich möchte Karan, Duke und Sven für die tolle Woche und ihre Freundschaft danken. Vieles davon ist unbezahlbar.

Jetzt geht es an die eigentliche Arbeit: Produktion, Arrangement, finaler Mix, Mastering. Hier liegen 9 GB Audiodaten auf meiner Festplatte, die genau danach schreien. Can’t wait. 😉

Es gibt ein paar schöne Bilder. Hier:

Fortschritte könnt ihr auf der Facebook-Page der Singvögel nachverfolgen.

7 Comments

  1. Karan heute, nachdem ich die 2. Nummer nahezu ausproduziert habe: “Du hattest Recht. SO habe ich mich wirklich noch nie gehört. So WOLLTE ich aber immer klingen.”

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