Ich habe heute einen für mich bemerkenswerten Gedankenanstoß bekommen. Jemand im Fernsehen sagte:

Das Verdrängen erfüllt eine enorm wichtige Funktion. Ohne das Verdrängen würden wir wahnsinnig.

Ich denke, jeder Mensch hat seine eigene Schwelle. Überschreitet er sie, bekommt er ein mentales Problem. Meine Schwelle muss sehr dehnbar sein, denn so wie viele gut und gerne verdrängen, so schlecht und ungern kann ich das. Ich fühle mich mit der/meiner Realität sicherer (das ist ja immer ein sehr subjektiver Begriff), vielleicht sogar damit, immer ein bißchen am Wahnsinn entlang zu gehen. Natürlich verdränge ich auch, aber weniger als der Durchschnittsmensch. Ich ziehe es meist vor, zu ertragen, mit dem Ziel, zu verstehen. Und ich verstehe viel. Das ist dann die Frucht der Scheiße, auf die ich gelegentlich gerne verzichten würde. Aber so ist das wohl, wenn man zwei Wölfe in seiner Brust hat.

Verdrängen, und die damit verbundene Unehrlichkeit mir selbst gegenüber, macht mir Angst. Das mag gewissermaßen bescheuert sein, so ganz entgegen der ‘Weisheit’ “der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln”. Ich kenne unzählige Menschen, die schlafend und unbewusst durch ihr ganzes Leben von einem Glücksgefühl ins nächste treiben — und das auch permanent suchen, ohne Konsequenzen zu bedenken — ohne das ihnen irgendwas auffällt. Entsprechend sehen sie auch keinen Grund, irgend etwas daran zu verändern.

Ich kann und will das nicht. Genau dieses Verhalten erzeugt nichts als Leid. Nicht zwingend bei den unbewussten Schläfern, dafür bei allen anderen. Ich will kein Leid erzeugen, ich habe schon einen anderen Job.

UPDATE

Ich habe einen aufschlußreichen Link geschickt bekommen, der Folgendes sagt (Ausschnitt):

Verdrängung heißt in der Tiefenpsychologie der Vorgang, durch den wir vergessen, was wir nicht wahrhaben wollen, weil es unser Selbstgefühl stört. Man erspart sich dadurch die Auseinandersetzung mit Problemen und die Schwierigkeit, sich in einem Dilemma bewußt zu entscheiden. So bleibt der Konflikt ungelöst. Zwar beschäftigt er uns nicht mehr bewußt, aber er schwelt unkontrolliert weiter. Er kann sich dem Wandel der äußeren Umstände nicht anpassen, sondern erhält sich unverändert.

[…]

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet, ist die Verdrängung wohl ein Preis, den der Mensch für seine ausgebildeten Fähigkeiten zur Einsicht und zum Denken zahlen muß. Sie ermöglichen es ihm, innerhalb seines Organismus durch die Tätigkeit der Phantasie innere Situationen zu gestalten, die als ähnlich verletzend, angsteinflößend und belastend erlebt werden können wie von außen kommende seelische Traumen (Verlassenwerden durch die Mutter, schockhafte körperliche Verletzungen). Gegen diese Belastungen wirkt die Verdrängung. In den meisten Fällen erspart sie dem Organismus erhebliche Anstrengungen, die eine Auseinandersetzung mit den verdrängten Inhalten mit sich brächte. Das gilt vor allem für die Kindheit, in der das Ich solchen Auseinandersetzungen kaum gewachsen ist und die ungeheure Lernleistung der Sozialisation den seelischen Apparat bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit beansprucht. Für die Entstehung von Neurosen sind Verdrängungen verantwortlich, welche diesen Schutzmechanismus so überfordern, daß sie nicht dauernd ohne Einbußen der Leistungsfähigkeit des Betroffenen aufrechterhalten werden können. In Belastungssituationen der Versuchung oder Versagung, bei einem drohenden Verlust einer wichtigen Person und ähnlichen Anlässen kann die Verdrängung nur dadurch aufrechterhalten werden, daß Symptome entstehen, die zum Beispiel ein erneutes Auftreten der Versuchung verhindern.

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