Es ist offiziell: Ich hasse Umzüge. Bei jedem meiner Umzüge — und der geschmeidigste (und günstigste) darunter war der VON Mallorca NACH Deutschland, Wirtschaftsironie — geht was in die Fritten. Diesmal hat es einen Monitor, einen Verstärker und mein Notebook erwischt. Schlechteste Bilanz ever. Monitor wird (sowieso) neu jekooft, Verstärker eventuell repariert und Notebook geht noch diese Woche in die Reparatur. Zum Glück nichts Wildes, Schaden unter 100 €. Reicht aber — zusammen genommen — um Mageninhalt in allen Regenbogenfarben auszuwerfen.

Mein nächster Umzug ist keiner. Ich lasse den ganzen Crample hier und nehme nur mein Faltstudio mit. Ins Ausland. Sowas von definitiv.

Bin innerhalb des Ruhrgebiets umgezogen. Dortmund, um genau zu sein. Ich wohne jetzt am Phoenix See bzw. das, was mal der Phoenix See sein soll. Noch in diesem Jahr soll ein Krater von den Ausmaßen eines nuklearen Explosionstrichters auf einem ehemaligen Industriegelände mit ozeangleichen Wassermassen gefüllt werden. Jeder Dortmunder zweifelt am Gelingen, ich auch, und ich bin keiner (sondern Essener). Aber ist schön hier. Ich habe eine Terrasse, die den Namen verdient, größer als mein Wohnzimmer. Man kann unauffällig Fußball darauf spielen und dabei nicht zwingend das Tor treffen. Sie ist derartig groß, das Wilma sie gerne mit einer Toilette verwechselt. Nicht gut. Aber Hauptsache das Kind hat Spaß. Um mich herum hat man die Wahl zwischen 4 Bäckereien, gefühlten 48 Friseuren (sinnvoll bei mir) und 3.876.345 Dönerbuden. Döner macht ja schöner. Was fehlt sind Bäume. Mir fehlt der Ausblick in Bäume, ich liebe das. Vielleicht pflanze ich einen Wald, auf meiner Terrasse. Dann kann Wilma wenigstens in den Wald kacken.

In den letzten Wochen habe ich einige der beeindruckendsten Begegnungen meines Lebens gehabt. Menschen aus dem europäischen Ausland kamen zu einem Gig von mir eingeflogen, so richtig mit Hotel usw., und ich habe Menschen wiedergesehen, die ich über 20 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Alles anlässlich meines Geburtstages. Ich sag euch: Schweden rocken alles weg. Wirklich sehr herzerweichend, auch wenn man mir meine Herzerweichung selten ansieht (deshalb erwähne ich es mal). Eine der genannten Begegnungen ist sogar tiefgreifend lebensverändernd. Aber das geht euch nichts an.

Alleinsein — ich erwähnte es mal — ist schön. Niemand mäkelt an einem herum, ich schlafe, wenn ich müde bin und stehe auf, wenn ich es nicht mehr bin. Ich lasse (gelegentlich) eine Socke auf dem Wohnzimmertisch liegen, räume nicht auf, und der einzige, den es stört, bin ich. Ich habe Frieden, sowas von Frieden und Ruhe. Man darf nur die Haustür nicht aufmachen, dann schlägt einem die geballte deutsche Unzufriedenheit in die Fresse. Mit Anlauf. Das angeborene, jedoch spätestens angeprägte, schlechte Gewissen der Deutschen und das ständige Geifern nach Dingen (“German Vampirism”), die einem nicht gehören — aus einem tiefen Mangel an Selbstbewusstsein — ist für mich eigentlich nicht mehr erträglich.

Deshalb: Mission “Immigration” läuft. Ich muss hier weg.

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