Geld ist so schlecht oder gut, wie ich mit viel Wasser viele tränken oder er-tränken kann. Ich habe kein Problem mit Geld (was natürlich nur bedingt stimmt; ist es zu wenig, habe ich eins) sondern damit, was wir damit anfangen. Zunächst mal ist es also nur ein Tauschmittel: Ich bekomme etwas für etwas, wozu ich Bedingungen mit einem Tauschpartner vereinbare. Meistens sind die Bedingungen natürlich steif vorgegeben und ich brauche sie nur noch abzulehnen oder anzunehmen. Oft ist da auch kein Verhandlungsspielraum, weil z.B. der Anbieter einer Ware sehr genau weiß, daß er mit einem Produkt nahezu konkurrenzlos ist. In dem Fall ist er der grosse Gewinner, und ich habe den Preis zu akzeptieren, wenn ich nicht auf das Produkt verzichten will. Preise richten sich natürlich auch nach wirtschaftlichen Kalkulationen, nach denen ein Händler sich richtet, um sein Geschäft florierend bzw. wirtschaftlich tragbar zu gestalten. In der Regel ist es aber so, daß niemanden die Tragbarkeit reicht; jeder will sich bereichern, sprich: im Überfluß leben.

In der Quintessenz gibt es einen Aspekt, der mich an der Geldwirtschaft stört: Die Macht des Geldes, verliehen durch Interessen von Menschen — auch Gier genannt — welche dazu führt, das es prinzipiell immer Gewinner und Verlierer gibt, selbst wenn sich das Gewinnen oder Verlieren im Promillebereich bewegt. Eine absolute Balance zwischen Tauschpartnern gibt es nie.

Mein Vater, ein waschechter (und auch nicht immer ethischer) Kaufmann zu Lebzeiten, pflegte (sowas Ähnliches) zu sagen (wie):

Kommunismus oder auch moderner Sozialismus sind gute Ideen. Sie kranken leider immer an den schwächsten Gliedern ihrer Ketten. Spielt einer nicht mit, wird ein solches System ad Absurdum geführt.

Ich konnte dem damals schon nur zustimmen, zumindest was den Kommunismus angeht. Bleibt die Frage übrig: Was muss ein moderner Sozialismus an markanten Merkmalen aufweisen, um ihn funktionierend zu gestalten?

Nun, die gesellschaftlichen Entwicklungen auf der Erde führen unweigerlich dazu, daß sich immer mehr Menschen Gedanken dazu machen und eigene Konzepte entwickeln, im mikro- wie im makrokosmischen Bereich. Da gibt es mittlerweile Mikrokredite für Klein- und Kleinstbauern in der dritten Welt, sowie z.B. regionale Währungen, die nicht mehr nur einen kleinen Bereich berühren sondern an richtig großen, wirtschaftlichen Prozessen beteiligt sind. Als Beispiel für Deutschland sei hier nur mal der Chiemgauer erwähnt, womit nicht ein Mensch aus dem Chiemgau sondern die Währung “Chiemgauer” gemeint ist. Hier werden derzeit 4 Millionen € (umgerechnet) regional, nämlich im Chiemgau, umgesetzt. Da der Chiemgauer nur regional beschränkt funktioniert, bedient er auch nur regionale Geschäfte. Das hat viele Vorteile, aber im Einzelnen möchte ich jetzt und hier darauf gar nicht zu tief eingehen. Haben andere schon getan.

Aus meiner persönlichen Sicht könnten regionale Währungen, welche parallel zu einer übergeordneten Währung (wie z.B. Euro, Dollar, whatever …) existieren, Bestandteil eines wirklich modernen Sozialismus werden. Ich sehe ein: Das Wort Sozialismus alleine klingt staubig, riecht nach Unterdrückung und Freiheitsentzug. Der MODERNE oder “neuzeitliche” Sozialismus, den ich mir vorstelle, ist jedoch genau das Gegenteil davon. Er liberalisiert, entspannt und eliminiert soziale Probleme bei und unter Menschen. Kurz: Er führt dauerhaft aus dem globalen Mangel heraus.

Das Bankenwesen. Auch hier gibt es Ansätze, die skurrilerweise aus dem Islam kommen. Skurril ist das für mich deshalb, und das gebe ich offen zu, weil ich den Islam nicht für ein sehr fortschrittliches System halte. Das geht mir aber mit allen Religionen so, abgesehen vom Buddhismus, der ja im Prinzip auch keine Religion ist sondern eine Art Lebenskonzept. Nun, der Islam verbietet zum Beispiel Zinsen, und zwar sowohl diese zu erheben als auch sie zu bezahlen. Zinsen sind im Islam Sünde. Wer sich also bei einer rein islamischen Bank Geld leiht, der bezahlt am Ende auch nur das, was er sich geliehen hat. Jetzt ist die Frage berechtigt: Womit macht diese Bank dann Geld? Nun, die Bank kauft z.B. das Auto, für das man einen Kredit haben möchte und verkauft es an den Kreditnehmer für einen etwas höheren Preis. Das ist alles. Wenn ich eine Schraube drehen muss und keinen Schraubendreher besitze, dann muss ich ihn im Baumarkt kaufen. Den wird mir auch kaum jemand schenken, erst der Baumarkt macht es möglich und hat dafür einen Preis. Das ist akzeptabel. Die Schulden bei der Bank werden also weder weniger noch mehr, wenn man seinen Kredit nicht in der angedachten Zeit zurückbezahlt, ergo: Schulden wachsen nicht bis ins Unermessliche.

Ich muss dem Islam also in diesem Punkt mein Lob aussprechen, mir gefällt diese Vorgehensweise. Übrigens: Auch das Christentum verbat schon Zinsen, leider brach man vor knapp 200 Jahren aus ungeklärten Gründen mit dieser Regel.

Ich halte also mal fest: Banken sind für meinen modernen Sozialismus kein Problem sondern notwendig. Das Kerngeschäft einer Bank sollte die sichere Verwahrung von Geld, nicht der Handel damit sein. Das schließt Spekulationen ein. Spekulationen sind Geschäfte mit nicht existenten Zuständen. Das kann nur zu Ungleichgewichten führen. Ebenso wie Zinsen Geschäfte mit nicht existenten Leistungen sind, was auch nur zu Ungleichgewichten führt. Nicht ohne Grund heißen Zinsen im Englischen “interests” und deren bezifferte Höhen “interest rates” …

Also, Zinsen und Spekulationen gehören nicht in die Zukunft des Geldes. Es ist ungesund und unethisch, Geld mit etwas zu machen, wenn andere dabei unweigerlich verlieren. Diese Systeme sind zum Scheitern verdammt, was schlichten Naturgesetzen zu verdanken ist.

Natürlich ist und bleibt der größte Gegner einer ausgeglichenen Wirtschaftwelt (aka. moderner Sozialismus) die dem Menschen anhaftende Gier. Ein gutes Beispiel ist gerade China. Jeder kriecht China in den Arsch, weil dort offensichtlich viel zu holen ist. Also spielt man mit und blendet Realitäten schlicht aus:

Die vielleicht beunruhigendste Prophezeiung für das neue Jahr kommt von dem Hedgefonds-Manager James Chanos. Während alle Welt bass erstaunt auf das Wachstum in China blickt und hofft, dass das Reich der Mitte die Welt in eine neue Phase des Wohlstands führt, sieht Chanos in der Volksrepublik eine Art Super-Staats-Bubble. „Peking manipuliert die Zahlen. Das ist wie Dubai – nur tausendmal schlimmer“, polterte er unlängst auf dem Fernsehsender CNBC. Chanos wurde dadurch bekannt, dass er die Pleitefirma Enron lange vor der Wall Street als groß angelegten Betrug erkannte. Nun hat er China ins Visier genommen: Seiner Einschätzung nach ist die Zukunft der Milliardennation nicht die Weltmacht, sondern der Crash.

(Welt Online)

So ein Crash wäre nicht nur logisch sondern auch noch wünschenswert. Ich bedauere wirtschaftliche Katastrophen dann nicht, wenn sie aus Gier enstanden sind, also immer. Wer mitgespielt hat, braucht hinterher nicht zu weinen.

Wenn Google, die ja vor Kraft kaum laufen können, China also die Stirn bietet, dann ist das zwar begrüssenswert, aber auch nur eine Farce. Man würde schon lieber mitspielen, ungeachtet der real existenten Menschenrechtsverletzungen. Paradoxerweise kührt man den Dalai Lama zu einem der wichtigsten Menschen auf dem Globus, andererseits ist den Wirtschaftslenkern die Freiheit der Tibeter (oder der Taiwanesen) völlig schnuppe.

Würde man Suchergebnisse nicht filtern, dann wäre Google das alles auch sehr gleichgültig. Schließlich ist China gerade wirtschaftlich der Burner. Zumindest wird es so kommuniziert. Alles in Allem eine ziemlich unehrliche Kiste, die auf Gier basiert, und dann redet man Vieles schöner als es wirklich ist. Die Welt ist eine Google, und “do no evil” schließt halt auch ein, das bewusstes Wegsehen ja kein aktiv böses Handeln ist. Alles Auslegungssache.

Paarten wir also z.B. regionale bzw. kommunale — und somit den jeweiligen Lebensräumen angepasste — Wirtschaftmodelle wie regionale Währungen und eigene Energieversorgung mit einem überregionalen bedingungslosen Grundeinkommen, und zwar so überregional, das man z.B. von “europaweit” sprechen könnte (um nur eine Region zu nennen), dann sehe ich dort mittelfristig (sagen wir mal für die nächsten 100 Jahre) die Zukunft des Geldes und somit eines wirklich modernen Sozialismus.

Ich sehe nur dort “blühende Landschaften”, kulturelle Freiheit, Wachstum, wirklichen Fortschritt und soziologische Balance.

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